WILLKOMMEN IN DER GALERIE JOSEF STEIB

Galerie Josef Steib, Innenansicht
Außenansicht der Galerie Josef Steib

Einführung:

 

Die Galerie Josef Steib wurde der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur im Jahr 1997 von Brunhilde Steib, die das Vermächtnis ihres bereits 1957 verstorbenen Mannes verwaltete, vererbt. Zu diesem Erbe gehörte zum einen der künstlerische Nachlass, bestehend aus unzähligen Grafiken, Radierungen, Aquarellen, Tempera- und Ölgemälden, zum anderen aber auch sämtliches Habe des Ehepaares. 

Galerie und Wohnhaus des Paares waren in Cochem unter einem Dach vereint. Annähernd zehn Jahre lebten und wirkten Josef und Brunhilde Steib dort gemeinsam. 1949 zogen sie in das so genannte Franzosenhaus, nachdem Josef Steib eine erfolgreiche Ausstellung in Cochem verbuchen konnte und sein langjähriger Freund und Hotellier Lambert Fellenz ihn daraufhin überredete, sich gemeinsam mit seiner Frau in dem kleinen Moselstädtchen niederzulassen. Die Galerie besitzt auch heute noch den Charme vergangener Zeiten und man kann sich vorstellen, wie Josef Steib in der dortigen Werkstatt seine Farben herstelle und malte, wie Brunhilde Steib geschäftstüchtig die Kunstwerke veräußerte und das Paar dort gemeinsam wohnte. 

Eine Ausstellungsreihe zu dem Cochemer Künstler Josef Steib (1898-1957) begann 2009 in Kooperation mit dem Hotel Café Germania anlässlich des Gedenkens seines 111. Geburtstages am 13. Februar 2009.   

Jedes Jahr werden seitdem Werke aus dem umfangreichen Nachlass Josef Steibs unter einer bestimmten Themenstellung gezeigt: Zur Ausstellungspremiere in 2009 wurde Josef Steib als Genussmensch vorgestellt. Ein Jahr später in 2010 wurden seine Aktstudien, in 2011 seine Porträts und bedeutenden Selbstporträts und in 2012 seine Reisebilder mit einem Schwerpunkt auf Afrika vorgestellt.

Zwei weitere Ausstellungen in Trier 2010 unter dem Motto „Die schönen Dinge des Lebens“ und Bad Bertrich 2011 mit dem Thema „Träumendes Wasser“ stellten weitere Facetten des Malers und Radierers vor. Ebenfalls wurde die Porträtausstellung von 2011 nochmals im Neuburger Residenzschloss 2012 gezeigt. Die Werke Josef Steibs gehen immer wieder auf Reisen, so auch das kleinformatige Gemälde „Brunhilde am Plauer See“ im Rahmen des ersten, die Ausstellung begleitenden Josef-Steib-Projektes in 2011, anlässlich des 100. Geburtstages von Brunhilde Steib. 

Die fünfte Ausstellung befasste sich, ähnlich wie die erste Ausstellung, mit einer Auswahl an Stillleben des Künstlers. Diesmal wurde jedoch der Schwerpunkt auf die Blumenmotive gesetzt. Unter dem Titel „Die Liebe zur Blume“ wurde die in den Werken Josef Steibs dargestellte Blütenvielfalt im Laufe der Jahreszeiten vorgestellt. Ein zusätzliches Begleitprojekt rundete auch in 2013 die Ausstellung ab. 

Am Freitag, den 31. Januar 2014 wurde die 6. Sonderausstellung eröffnet und widmete sich erstmals den abstrakten Arbeiten Josef Steibs. Das Selbstbildnis "Ich" von 1955/1956 ist das Hauptwerk der Ausstellung und verdeutlicht, wie Josef Steib malte, wenn er frei von allen Konventionen nur für sich selbst arbeitete und seine Eindrücke in die Bilder einfließen ließ. Die "metaphysischen" Arbeiten, wie er sie selbst nannte, sind aus kunsthistorischer Sicht die wertvollsten Arbeiten, weil sie tiefe Einblicke in sein künstlerisches Schaffen zulassen. Die Ausstellung war bis zum 31. März 2014 unter dem Titel "Ich... - Die Metamorphosen des Josef Steib" im Hotel Café Germania in Cochem an der Mosel zu sehen sein. Es war eine besondere Freude, dass diese besondere Ausstellung erneut - ergänzt um einige Leihgaben aus Privatbesitz - in der Kreissparkasse Mayen gezeigt wurde. Vom 15. Oktober bis zum 28. November 2014 war sie in der St.-Veit-Straße in Mayen zu sehen. 

Vom 2. Februar bis 10. März 2015 war die 7. Sonderausstellung im Hotel Café Germania zu unter dem Titel "Augenblicke - Tiere sehen Dich an. Tierdarstellungen im Werk Josef Steibs" zu sehen.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser umfangreichen Hinterlassenschaft ist zudem innerhalb der letzten Jahre zu einem besonderen Anliegen der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur geworden. Aufgrund des Umfanges dieses Nachlasses, der durchaus als Glücksfall gewertet werden darf, erfolgt die Aufarbeitung entsprechend gründlich und ist zeitintensiv. Die bislang überschaubare Bibliographie zu Josef Steib zeigt, wie wichtig diese Aufarbeitung ist, um den Künstler und den Menschen Josef Steib in den historischen Kontext seiner Zeitgeschichte einordnen zu können. 

Prof. Dr. Franz Kreim hat sich zu Lebzeit mit der Kunst Josef Steibs auseinandergesetzt. Seine Publikationen sind auf sozialhistorischer Ebene hilfreich, erheben jedoch nicht den Anspruch wissenschaftlicher Untersuchungen. Vielmehr geben sie auf subjektive Weise die dem Autor im Gespräch mit Josef Steib entstandenen Eindrücke in Bezug auf dessen Kunst im damals gängigen zeitgemäßen Stil wieder. Als besonders wertvoll sind dagegen die transkribierten handschriftlichen Notizen Josef Steibs in den Arbeiten Schommers zu werten.

Um sich der Biographie Steibs anzunähern ist ebenfalls die Erzählung von Brunhilde Steib für die Jahre 1936 bis 1957 erwähnenswert, auch wenn hier das Leben Josef Steibs aus der Sichtweise seiner Frau geschildert wird und seine eigenen Notizen weitaus bedeutsamer sind.

Conrad-Peter Joist hat Josef Steib in sein Werk über die Landschaftsmaler der Eifel aufgenommen und gibt in einer knappen Zusammenfassung die wichtigsten Eckpunkte sowie eine kurze kunsthistorische Einordnung wieder.

Verschiedene Fragestellungen, die im Zusammenhang mit bislang getätigten Recherchen aufgekommen sind sowie eine fundierte kunsthistorische Analyse werden zurzeit wissenschaftlich bearbeitet und ausgewertet. 

Eine große Rolle nehmen dabei auch die bisher in geringer Zahl bereits publizierten autobiographischen Notizen ein. Allein diese hätten jedoch nicht ausgereicht, um mehr über die Person Josef Steibs und ihre Vergangenheit zu erfahren. Im Rahmen der Recherchearbeiten wurden im vergangenen Jahr die original erhaltenen Notiz- und Tagebücher Josef Steibs sowie zahlreiche Briefwechsel und Akten gefunden, auf deren Basis nun auch fundierte Aussagen über seine politische Einstellung und künstlerische Auffassung getroffen werden können. Insbesondere die abstrakten Arbeiten Josef Steibs, die er selbst als "metaphysische Arbeiten" bezeichnet sowie seine persönlichen Notizen hierzu nehmen eine wichtige Rolle ein und zeigen, dass seine Kunstauffassung nicht dem während der NS-Zeit gängigen „Kunstverständnis“ des Regimes entsprach. Die Auswertungen der nun vorliegenden Unterlagen sowie weitere Recherchen werden dazu beitragen verschiedene Schaffensphasen, insbesondere auch während der NS-Zeit und Josef Steibs Mitgliedschaft in der NSDAP, detailliert zu erforschen. 

Das gesamte Oeuvre Josef Steibs liegt gebündelt in der Galerie an der Moselpromenade in Cochem vor. Die dort zu findenden Arbeiten sind durchaus von unterschiedlicher Qualität. Zwischen qualitätvollen Ölgemälden hängen schnelle und einfache Skizzen, zwischen hochkarätigen Portraits finden sich einfache Studien. Gerade diese an einem Ort erhaltene Vielfalt verdeutlicht eine Künstlerbiographie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, untermauert durch autobiographische Notizen. Josef Steib repräsentiert mit seinen Arbeiten die Kunst einer Region und ist durch den Nachlass sowie seine Äußerungen zudem als Zeitzeuge zu werten. Zu dieser Zeitzeugenschaft gehört auch seine Ambivalenz gegenüber der Ideologie des Dritten Reiches.

 

Text: Katharina Bornkessel M.A.

Foto: Galerie Josef Steib, (C) Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur


Besucherinformationen:

Ein Besuch der Galerie inkl. einer Führung durch die Dauerausstellung ist nach vorheriger Absprache mit dem Galerieverwalter Rudolf Mattar möglich. Bitte setzen Sie sich bei Interesse telefonisch mit ihm in Verbindung.


Kontakt:

Rudolf Mattar (Galerieverwalter)
Tel.: 02671-980420
Fax: 02671-980421
Email: rudolf.mattar@t-online.de

 
Hinweis: 

Die Galerie Josef Steib ist leider nur auf Ebene der Moselpromenade im Erdgeschoss barrierefrei. Die Atelier- und Wohnräume sind nur zu Fuß zu besichtigen, da sich das Wohnhaus auf kleinem Grundriss über mehrere Etagen, der Bebauung der Moselpromenade entsprechend, in die Höhe erstreckt und nur über ein schmales Treppenhaus zugänglich ist. 

Anschrift der Galerie:

Galerie Josef Steib
Moselpromenade 22
56812 Cochem